Raumakustik in Wohnräumen (Surround)

Raumakustik-Optimierung für Surround-Systeme in Wohnzimmern

Auswahl der Lautsprecher fürs Surround-System
Auswahl des AV-Receivers
Anordnung der Anlage im Raum
Aufstellung der Lautsprecher (Surround)
Optimierung der Raumakustik für Surround-Sound

Grundlegendes:
Leider (aus akustischer Sicht) sind gerade moderne Wohnzimmer häufig sehr schlicht eingerichtet. Die Innenarchitektur setzt auf glatte Oberflächen und Materialien wie Fliesen oder Glas. Das sieht zwar klasse aus, hört sich aber miserabel an. Der Nachhall in solchen Zimmern ist für Musikgenuss oder Surround-Sound deutlich zu lang und führt zu einem schlechten Klang.
Üblicherweise liegt der Nachhall in solchen Zimmern im Hochton oberhalb von 0,6s  und im Bassbereich bei ca. 1,2s. Für optimale Raumakustik sind dagegen etwa 0,3s über alle Bereiche anzustreben. Das ist in Wohnräumen aus optischen Gründen schwer zu erreichen. Es gibt aber eine Reihe von Möglichkeiten, mit denen die Raumakustik in Wohnräumen verbessert werden kann und gleichzeitig die optische Raumwirkung beibehalten oder sogar verbessert werden kann.

Natürliche Akustikelemente:
Natürliche, absorbierende Akustikelemente wie Teppiche, Vorhänge und Polstermöbel finden sich in vielen Wohnzimmern. Gemeinsam mit weiteren, den Schall streuenden, also diffus wirkenden Objekten kann der Grundstein zu einer guten Raumakustik gelegt werden.
Teppiche absorbieren im Hochtonbereich Schall und das immer wirksamer je langflooriger die Struktur aufgebaut ist. Dennoch sollte nicht zu viel Teppich vorhanden sein, da es sonst zu einer sehr ungleichmäßigen Bedämpfung kommen kann. Der Bereich auf dem Boden zwischen Hörplatz und Lautsprechern sollte allerdings mit einem Teppich bedämpft werden, um die starke Reflexion an dieser Stelle zu verringern.

Vorhänge sind sehr gut geeignet, um Fensterfronten akustisch zu entschärfen. Hier gilt die Regel: „Je schwerer der Vorhang, desto wirksamer für die Raumakustik.“ Die oftmals dahinterliegenden Fenster, wirken im Bassbereich etwas absorbierend (ja, ihr habt richtig gelesen!), all zu viel sollte man sich davon dennoch nicht versprechen. Mit dem Anbringen von Vorhängen vor Fenstern kann Allgemein nichts falsch gemacht werden.

Die besten natürlichen Absorber sind Polstermöbel wie Sofas oder Sessel. Diese absorbieren recht breitbandig und damit gleichmäßig viele Frequenzen. Auch große Kissen auf den Sitzmöbeln verbessern die Raumakustik. Ledermöbel bringen hingegen akustisch nicht viel. Somit bieten Polstermöbel die Möglichkeit, auch im Bassbereich (bis ca. 120Hz hinunter) zu absorbieren, was in den meisten Räumen sehr hilft.

Wir kommen jetzt zu den diffus wirkenden Elementen. Als Erstes gibt es da die Möglichkeit, Pflanzen im Wohnzimmer zu integrieren. Neben der optischen Verschönerung wirken sie, wenn auch nur schwach, im Hochton als Diffusor. Im Mittelton sind sie allerdings bereits wirkungslos. Um mit Pflanzen wirklich eine deutliche Verbesserung zu erzielen, müssen schon große Mengen her.

Besser eignen sich da Regale jeglicher Art, wobei diese im Idealfall unregelmäßig gefüllt sein sollten. Solange die Regalfächer unterschiedlich voll und die Bücher unterschiedlich tief angeordnet sind, wird das Regal den Schall breitbandig streuen können. Insbesondere links und rechts des Hörplatzes bieten sich solche Regale an, da sie hier die frühen Reflexionen vermeiden.

Schallabsorber:
All diese natürlichen Maßnahmen helfen dabei, die Wohnlichkeit und Raumakustik eines Wohnzimers zugleich zu verbessern. Leider reichen diese Maßnahmen häufig nicht aus, um die Raumakustik so zu verbessern, dass wirklich Top-Klang erreicht werden kann. Aus diesem Grund gibt es auch spezielle Schallabsorber welcher den Schall effektiv schlucken. Mit Akustikbildern oder Schallabsorbern als zeitlose Designobjekte, können diese hervorragend in unterschiedlichste Wohnumgebungen eingefügt werden. Im Gegensatz zu den meisten natürlichen Absorbern, wirken sie breitbandig und erzeugen damit einen deutlich gleichmäßigeren Klanggewinn. Neben Absorbern für die Wände, sind auch Deckensegel eine sehr verbreitete Alternative, diese Elemente sehr dezent in den Raum zu integrieren. Eine weitere hervorragende Möglichkeit bieten sogenannte Standabsorber. Das sind mobile Schallabsorber, die beim Musik/Filmgenuss rasch positioniert werden können.

Positionen:
Absorbierende Materialien sollten grundsätzlich eingesetzt werden, wenn der Raum insgesamt zu hallig ist. Zudem ist es wichtig, insbesondere sogenannte frühe Reflexionen zu bedämpfen. Frühe Reflektionen sind Anteile welche mit kurzer Verzögerung nach dem Ursprungssignal am Hörplatz ankommen und den Klang verwaschen erscheinen lassen. Aus diesem Grund sollte die Fläche der Rückwand, die Fläche zwischen den Lautsprechern und die Reflexionspunkte, zwischen den Lautsprechern und dem Hörplatz akustisch bedämpft werden. Diese Punkte befinden sich genau dort, wo man die Lautsprecher vom Hörplatz aus in einem imaginären Spiegel sehen könnte.
Bei Surround-Systemen sollte jedoch darauf geachtet werden, dass nicht zu nahe an den Rear – Lautsprechern absorbiert wird. Die Rears benötigen Reflexionen für den optimalen Klang (zumindest bei Filmen).

4 Gedanken zu „Raumakustik in Wohnräumen (Surround)

  1. Pingback: Raumakustik - der optimale Klang für mein ZuhauseEmsländer Baustoffwerke

  2. Es wird leider immer nur von dem typischen Grundriss Quadrat oder Rechteck ausgegangen, jedoch nie Elemente wie Runderker oder Trapezförmige Grundflächen mit einbezogen. Hier sieht der ganze Spaß nämlich schon ganz anders aus. Was das anbringen der Absorber angeht, wo genau soll denn bitte schön der imaginäre Spiegel sich denn virtuell befinden, rechts, links, mittig vor mir, oder überall da wo ich ihn mir vorstellen kann?
    Bei letzterem kann ich dann wohl an allen Wänden um mich herum Absorber anbringen! Da bin ich schon der Meinung das in dem Fall etwas genauer darauf eingegangen werden müsste. Ist trotzdem eine sehr tolle und informative Seite!!! Weiter so!!!

    • Der Spiegel ist lediglich von symbolischer Bedeutung und soll verdeutlichen, dass der Schall nach dem Gesetz „Einfallswinkel = Ausfallswinkel“ reflektiert wird, genau wie das Licht im Spiegel. Daher kann sich der Spiegel überall befinden, wo man sich ihn vorstellen kann, auch wenn dort in der Praxis niemals ein Spiegel montierbar wäre. Reflexionen erhalten Sie an sämtlichen Raumwänden, insofern müssten Sie, um alle Reflexionen zu bedämpfen auch sämtliche Raumwände behandeln.

  3. Sehr gut! ich habe schon einige Tipps und Ratschläge gelesen, endlich mal jemand der sagt: Das von der Schallwand des Lautsprechers gemessen wird! Den Hinweis findet man sonst nirgendwo. Bei Standlautsprechern, wie meine, sind das fast 50 cm unterschied, wenn ich von der Rückwand messe oder von der Schallwand. Auch der Hinweis, dass die hinteren Lautsprecher auf den Center gerichtet werden sollen, ist sehr hilfreich und wird natürlich noch heute umgesetzt. Des Weiteren ist der Hinweis auf den Unterschied von Phantomcenter zum realen Center sehr gut erläutert. Kann ich nur bestätigen, da ich diese Erfahrung grade gemacht habe.
    Daher: Vielen Dank für die hilfreichen Tipps!

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